München,
14
Juli
2026
|
11:37
Europe/Amsterdam

Fit für die Straße: Knorr-Bremse bringt redundantes Bremssystem für autonome Lkw in Serie

Zusammenfassung
  • Serienstart für das redundante Bremssystem für 2027 geplant

  • Knorr-Bremse gestaltet die Umsetzung hochautomatisierter Nutzfahrzeuge gemeinsam mit Fahrzeugherstellern

  • Redundante Brems- und Lenksysteme bilden die Grundlage für sichere SAE Level-4-Fahrzeugarchitekturen

  • Smarte Fahrerassistenzsysteme konsequent weiterentwickelt: Knorr-Bremse ADAS trägt zu mehr Verkehrssicherheit bei

 

Hochautomatisiertes Fahren (HAD) von Nutzfahrzeugen rückt zunehmend in die Praxis. Weltweit arbeiten Fahrzeughersteller und Technologieunternehmen daran, entsprechende Anwendungen in den Güterverkehr zu bringen. Knorr-Bremse bringt 2027 sein redundantes Bremssystem für Level-4-Nutzfahrzeuge in Serie und schafft damit eine zentrale technologische Grundlage für sichere automatisierte Fahrfunktionen. 

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Bernd Spies, Mitglied des Vorstands der Knorr-Bremse AG und verantwortlich für die Division Systeme für Nutzfahrzeuge: „Hochautomatisiertes Fahren im Nutzfahrzeugbereich nimmt weltweit Fahrt auf – wenn auch mit regional unterschiedlichem Tempo. Entscheidend für den nächsten Schritt sind robuste, ausfallsichere Fahrzeugarchitekturen. Genau hier bringen wir unsere Systemkompetenz in die Partnerschaft mit Fahrzeugherstellern ein: Wir entwickeln Redundanzlösungen für Brems- und Lenkfunktionen und setzen diese gemeinsam mit Fahrzeugherstellern in konkrete Anwendungen um. Die nahende Serienreife unseres redundanten Bremssystems ist ein wichtiger Meilenstein, um Level-4-Architekturen skalierbar und wirtschaftlich realisierbar zu machen.“

Flottenbetreiber erwarten effizientere und wirtschaftlichere Transportlösungen – insbesondere vor dem Hintergrund von Fahrermangel, steigenden Sicherheitsanforderungen und wachsendem Kostendruck. Fahrzeughersteller greifen diese Anforderungen auf und treiben die Entwicklung hochautomatisierter Nutzfahrzeuge gezielt voran. Mit Blick auf die ersten konkreten Anwendungsfelder entwickelt sich insbesondere Nordamerika zum Leitmarkt.

Zentrale Voraussetzung für den zuverlässigen Einsatz hochautomatisierter Nutzfahrzeuge ist eine ausfallsichere (fail-active) Systemarchitektur. Mit der Automatisierung verlagert sich die Verantwortung für Fahrdynamik und Sicherheit vom Fahrer auf das Fahrzeug – und damit an die Technik selbst. Redundante Aktuatorik wird damit zur technologischen Grundlage für den sicheren Betrieb hochautomatisierter Nutzfahrzeuge. Ausfallsicher ausgelegte, redundante Systeme für Bremse und Lenkung von Knorr-Bremse stellen sicher, dass einzelne Systemausfälle erkannt und kompensiert werden und die Fahrzeugkontrolle jederzeit aufrechterhalten bleibt. Gleichzeitig erhöhen redundante Bremssysteme die Verfügbarkeit des Fahrzeugs, indem sie im Fehlerfall definierte Betriebsstrategien ermöglichen – vom Minimum-Risk-Manöver bis hin zur Weiterfahrt mit reduzierter Funktionalität. Dies kann sich unmittelbar positiv auf die Gesamtbetriebskosten (TCO) auswirken.

  • Das redundante Bremssystem von Knorr-Bremse basiert auf der Bremssteuerungsplattform Global Scalable Brake Control (GSBC). Diese bündelt die bisherige Komponentenvielfalt in einer einheitlichen Brake-Control-Plattform. Das vereinfacht Systemlayouts und reduziert Bauraum, Gewicht und Einbaukosten. Darauf aufbauend hat Knorr-Bremse das redundante Bremssystem rGSBC entwickelt. Die bestehende Architektur wird gezielt um einen zweiten, unabhängigen Funktionspfad erweitert. Im Fehlerfall übernimmt dieser die Fahrzeugverzögerung bei voller ABS-Funktionalität und stellt über radindividuelle Bremsdruckregelung die Fahrstabilität sicher. Standardisierte Schnittstellen erlauben dem System sowohl den automatisierten Betrieb zum “virtuellen Fahrer” als auch immer ein Ansteuern im manuellen Modus. Darüber hinaus unterstützt es definierte Fallback-Strategien – vom Minimum-Risk-Manöver bis hin zum Mission-Complete-Betrieb.

  • Bei Lenksystemen für hochautomatisierte Nutzfahrzeuge setzt Knorr-Bremse auf redundante Systemlösungen. Zum Portfolio zählen die vollelektrische Lenkung Electric Power Steering (EPS) und deren redundante Ausführung. Die rEPS ermöglicht eine ausfallsichere Lenkfunktion, bei der sowohl Aktuatorik als auch Steuerung redundant ausgelegt sind. In Kombination mit der Steer-by-Brake Funktion entsteht eine weitere unabhängige Redundanzebene, die auch bei kritischen Systemausfällen eine kontrollierte Fahrzeugführung im Sinne von Mission-Complete ermöglicht. Ergänzt wird das Portfolio durch die redundante elektrohydraulische Überlagerungslenkung (rAHPS), die als alternative Architektur Fahrassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen unterstützt.

Auf dieser technologischen Basis bringt Knorr-Bremse hochautomatisiertes Fahren gezielt in die Anwendung: Gemeinsam mit ausgewählten Kunden realisiert das Unternehmen konkrete Level-4-Projekte und sammelt dabei wertvolle System- und Integrationserfahrung. Diese fließt direkt in die Weiterentwicklung ein – mit dem Ziel, die Lösungen zu skalieren und für eine breite Kundenbasis verfügbar zu machen.

Mit der geplanten Serieneinführung des rGSBC von Knorr-Bremse ab 2027 rückt die industrielle Anwendung hochautomatisierter Nutzfahrzeuge zunehmend in den Fokus. Erste Einsatzszenarien können insbesondere im Hub-to-Hub-Verkehr entstehen und perspektivisch auf weitere Anwendungsfelder ausgeweitet werden. Technologisch ist der Weg bereitet: Zentrale Elemente redundanter Fahrzeugarchitekturen wurden bereits erfolgreich validiert – so unter der Mitarbeit von Knorr-Bremse im Forschungsprojekt ATLAS-L4 zum autonomen Fahren.

Parallel dazu entwickeln sich die zugrunde liegenden Fahrzeugarchitekturen weiter – etwa in Richtung X-by-Wire-Konzepte, bei denen mechanische realisierte Funktionalitäten durch elektronische Steuerung ersetzt werden. Redundante, ausfallsichere Systeme sichern dabei die Beherrschbarkeit der Funktionen auch im Fehlerfall ab. Unabhängig davon gewinnen softwaredefinierte Fahrzeugkonzepte aus Sicht von Knorr-Bremse zunehmend an Bedeutung – mit zentralisierten Steuerungsarchitekturen, hoher Verfügbarkeit von Sensordaten und kontinuierlichen Software-Updates.

Intelligente Fahrassistenzsysteme (ADAS) steigern Verkehrssicherheit

Parallel zu den Technologien für hochautomatisierte Nutzfahrzeuge treibt Knorr-Bremse die Weiterentwicklung moderner Fahrassistenzsysteme (ADAS, Advanced Driver Assistance Systems) konsequent voran. Knorr-Bremse steigert mit seinem ADAS-Angebot seit über einer Dekade die Verkehrssicherheit – und geht diesen Weg weiter.

Mit dem Knorr-Bremse Fusion Front ADAS kombiniert Knorr-Bremse Radar- und Kamerasensorik, um komplexe Verkehrssituationen zuverlässig zu erkennen. Zum Funktionsumfang zählen unter anderem der Notbremsassistent (Advanced Emergency Braking System, AEBS) und dessen Erweiterung mit Fußgängererkennung (Pedestrian Advanced Emergency Braking System, PAEBS) sowie Funktionen zur Spurhaltung (Lane Keeping Assist, LKA, und Lane Departure Warning, LDW). Der Notbremsassistent erreicht dabei hohe Detektionsraten bei gleichzeitig geringen Fehlwarnungen.

Sowohl AEBS und PAEBS als auch LDW unterstützen Fahrzeughersteller bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen wie der europäischen GSR-II-Verordnung. Im Nahbereich des Fahrzeugs kommt dabei das Proximity System zum Einsatz, das unter anderem das Blind Spot Information System (BSIS) und das Moving Off Information System (MOIS) beinhaltet.

Zusätzlich zu den regulatorischen Anforderungen gewinnen die Nutzfahrzeug-spezifischen Euro NCAP-Protokolle immer mehr an Bedeutung. Diese stellen noch höhere Performance-Anforderungen als es die aktuelle Gesetzgebung vorsieht. Knorr-Bremse ADAS hat einen maßgeblichen Beitrag zur 3-Sterne-NCAP-Bewertung eines Fahrzeugherstellers geleistet. Knorr-Bremse entwickelt seine Lösungen kontinuierlich weiter und hat fortgeschrittene ADAS-Features in seiner Roadmap, die bei entsprechendem Einsatz weitere NCAP-Anforderungen erfüllen können.

Treffpunkt bei Knorr-Bremse: Halle 12, Stand C21

Auf der IAA Transportation 2026 zeigt Knorr-Bremse Technologien und Lösungen für die Zukunft des Nutzfahrzeugs – von Zero Emission über hochautomatisiertes Fahren bis hin zu Sicherheit und digitalen Services für den Flottenbetrieb. Die Expertinnen und Experten von Knorr-Bremse freuen sich darauf, Besucherinnen und Besucher vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover, Halle 12, Stand C21 persönlich am Messestand zu begrüßen.